Mitten in der Nacht nach Hause
Erstmals erleben wir das Einlaufen in Palma, natürlich nur, weil wir mitten in der Nacht zum Flughafen müssen. So geht es nach einem richtig schönen Urlaub mit überwiegend positiven Fazit nach Hause.
Erstmals erleben wir das Einlaufen in Palma, natürlich nur, weil wir mitten in der Nacht zum Flughafen müssen. So geht es nach einem richtig schönen Urlaub mit überwiegend positiven Fazit nach Hause.
Der Weg nach Hamburg führt diesmal über Fulda. Was ist schon ein 9-Stunden-Umweg angesichts der Freude über unsere 25. AIDA-Kreuzfahrt. Diese Freude teilen 10 nackte Friseusen, Kegelclubs und Kurzreisen-Klientel, während die Container-Terminals langsam im Alkohol-Nebel untergehen. Und trotz Staus mit 4stündiger Wartezeit kommen wir halbwegs durch und sind pünktlich da, was uns eine große Sorge nimmt.
Sprachliche Gender-Probleme mit das Kapitän verwirren mich schon am frühen Morgen. Aber nichts bringt uns aus der Ruhe eines Bordtags: Weder Batteriesäure an den Fingern, noch kalter Regen, der uns den Strand vermiest. Schon gar nicht Budget-Einsparungen bei den Künstlern, denn das sind wir im Gesundheitswesen gewohnt.
Manchmal liegen Luxus und Drama nah zusammen. Das Essen im Frühstücksrestaurant ist Luxus pur, die menschliche Qualität erinnert uns heute an den Fisch, der bekanntlich vom Kopf her stinkt. Dazu passt das Wetter in Dover: Regen und Wind bringen den gewissenhaften Chronisten an Grenzen. Doch es gibt Trost: Eine freundliche Dame mit noch einem Fisch, der nicht stinkt, Ruhe, Entspannung, gewonnenes Spiel, Musical, Cocktail und noch mehr Essen.
Manches klappt von alleine, wenn der Service nur prophetisch ins Internet schaut. Dafür knackt es erlaubt an allen Ecken und mancher stellt verblüfft fest, dass sich ein Schiff bewegt. Der größte Gewinn ist aber nicht beim Roulette, sondern das fantastische Menü im Gourmet-Restaurant.
Das Wetter hält vom Verlassen des Schiffs ab, in jedem Hafen, nur nicht hier. So gelingt die Abreise mit Erfolg nach einem ebensolchen Frühstück. Und das bringt mich zum Fazit der Reise.
Wir haben nicht mehr geglaubt, aufs Schiff zu kommen: So wie unsere letzte Reise endete, beginnt die neue. Nur mit dem Unterscheid, dass wir letztes Mal auf dem Schiff waren, aber Venedig nicht da war, diesmal ist Hamburg nah, aber das Schiff nicht da. Und als es doch kommt, beginnt das Schmuggeln: Senioren sich selbst, Schwiegertöchter Pfefferspray und Koffer sich gar nicht. Aber ein Burger macht alles wett. Hauptsache der geneigte Leser verpfeift mich nicht.
Das Auslaufen mit 21 Stunden Verspätung dürfen wir draußen in praller Sonne genießen, gut geschützt vor dem eisigen Wind bei -4°C. Aber was alles an so einem Sturm mit Verspätung samt Routenänderung hängt, lernen wir erst heute. Und wir lernen, dass Fensterputzer zur Beruhigung auf der Titanic fehlten, heute gibt es natürlich strengere Gesetze. Und Bettenmachen kann auf die Stimme gehen!
Den 1. Platz beim Quatschkopf-Award haben wir heute redlich verdient angesichts der viel zu frühen Restaurant-Misere. Dafür zieht sich heute am Seetag das Essen wie ein roter Faden durch den Tag, so dass unser Anti-Zunehm-Plan dezent unglaubwürdig wirken könnte. Trotz Wetters spielt der Balkon und die Herzensgüte von Eltern eine gewisse Rolle.
Heute ist der geneigte Leser gefordert, aktiv den Text zu verändern. Aus „gehen“ wird nun „humpeln“ und Schuld daran ist der Beach Club, den wir statt Southampton genießen. Genauer ein riesiger, über alle Maßen gewaltiger und bösartiger Tisch mit Lichtgeschwindigkeit. Hoch und schnell ist auch das richtige Wort für den Racer. Und meine Fingerabdrucksammlung wird immer größer.
Zu Recht gilt Brügge als eine der schönsten Städte Europas. Kopfsteingepflasterte Wege, würdige alte Giebelhäuser, prächtige Kirchen, schöne Kanäle, hier stolpert man von einem Highlight zum nächsten. Da Brügge in den Kriegen weitgehend verschont wurde, ist noch viel mittelalterliche Bausubstanz gut erhalten, so dass die Altstadt zu Recht UNESCO Weltkulturerbe ist. Und wir sind heute mittendrin.
Da es in Deutschland keine Schuhgeschäfte gibt, müssen wir diese heute in Rotterdam stürmen. Dabei teilen wir uns auf, weil das sonst für die kleinen Geschäfte wie eine Invasion wirken könnte. Zum Glück werden alle fündig, beinahe wäre es aber auch meinen historisch wertvollen Tretern an die Sohle gegangen.
Überall gewonnen: An Erfahrung, im Spiel und am Bauch. Deshalb muss nach dem Hemdenkauf heute Laufband statt Brauhaus sein. Oder müsste, denn wer kann schon zur letzten Ente nein sagen. Und dann wundern wir uns wieder, wie schnell so ein Tag und der ganze Urlaub vergeht.
Heute machen wir zeitlich alles richtig und stehen nicht in langen Schlangen. Dafür müssen wir eine Lachs-Krise überwinden, Eier gewaltsam öffnen und stolpern fast über am Boden kriechende Japaner. Nur mein neuester Trick, um an Bord bleiben zu können, klappt gar nicht.
Kostenlose Wasserverteilung vor Abflug bedeutet nichts Gutes. Deutliche Verspätung führt dann dazu, dass wir von Venedig fast nichts sehen. Davor stehen langes Warten, eine versehentliche Lokalrunde, Radarausfall, Riesenberge, weiter Warten und nochmal Gedanken zu Applaus und Krebsvorsorge. Aber dann beginnt sie: Unsere traditionelle Herbstfahrt mit AIDA. Und diesmal mit der ganzen Familie.