Metropolen ab Hamburg 1 mit der AIDAperla, Zeebrügge 21.03.18

Zu Recht gilt Brügge als eine der schönsten Städte Europas. Kopfsteingepflasterte Wege, würdige alte Giebelhäuser, prächtige Kirchen, schöne Kanäle, hier stolpert man von einem Highlight zum nächsten. Da Brügge in den Kriegen weitgehend verschont wurde, ist noch viel mittelalterliche Bausubstanz gut erhalten, so dass die Altstadt zu Recht UNESCO Weltkulturerbe ist. Und wir sind heute mittendrin.

Minnewaterpark Brügge 18.03.21 - Zu spät zu den Metropolen AIDAperla

Brügge. Herrlicher Sonnenschein. Der Zeh hält.

Gegen 10 Uhr legen wir in Zeebrügge an. Der Pier ist derselbe wie immer, allerdings sind die unzähligen Container verschwunden, die bei den letzten Malen vor dem Schiff ein regelrechtes Labyrinth gebildet hatten.

Sint-Janshospitaal Brügge 18.03.21 - Zu spät zu den Metropolen AIDAperla

Mit dem Transfer-Bus nach Brügge

Nach einem unspektakulären Frühstück und etwas Erholung gehen wir kurz nach 12 Uhr zu unserem Transfer-Bus. Anders als bisher ist es bei den Ausflügen jetzt so, dass Treffpunkt immer am Bus ist. Wir haben aber keinen Ausflug gebucht, auch nicht „Besuch auf eigene Faust“, sondern lediglich den Transfer. Für den Transfer konnten verschiedene Zeitfenster gebucht werden, unser Fenster ist Abfahrt 12:30 Uhr, Ankunft zurück 17:30 Uhr. Wir sind dabei nun etwas zu früh, aber das ist egal, sobald der Bus voll ist, geht es los, es stehen noch 2 weitere Busse da, so dass keiner zurückbleiben muss. Dabei stellt sich heraus, dass das mit den Transferzeiten nicht so genau genommen wird, solange sich die meisten an die ihnen zugewiesene Zeit halten, klappt das System vermutlich. Und wenn Einzelne spontan zu einer anderen Zeit fahren (weil sie z.B. ihre Zeit verpasst haben oder wegen Beschwerden früher zurück müssen), fällt das gar nicht auf, denn niemand kontrolliert die Uhrzeit auf den Tickets, es wird nur geschaut, dass auch wirklich ein Ticket vorhanden ist.

Die letzten Male haben wir uns Zeebrügge selbst angeschaut, haben schöne Strände gefunden, Herzklabastern an der Klappbrücke bekommen und mitten im Winter einen Spielplatz kennengelernt. Heute wollen wir nun zum ersten Mal Brügge besuchen.

Offensichtlich haben wir uns dafür den richtigen Tag ausgesucht, denn es ist sehr sonnig, bis maximal 10°C lau und wenig windig. Ideales Stadtbesichtigungswetter.

Durch den Minnewaterpark zum Beginenhof

Auf einem großen Busparkplatz unweit des Bahnhofes im Süden der Altstadt werden wir abgesetzt. Von hier brauchen wir eigentlich nur grob Richtung Norden immer geradeaus zu gehen, um im Zentrum anzukommen. Das machen wir auch zunächst durch den hübschen kleinen Minnewaterpark, entlang dem kanalisierten See Minnewater, weiter entlang der Kanäle.

Sint-Janshospitaal Brügge 18.03.21 - Zu spät zu den Metropolen AIDAperla

Hinter einer Wiese mit Enten und Schwänen liegt linker Hand der Beginenhof, ein Ensemble von alten Häusern, ganz in weiß, um einen Innengarten gruppiert. Bereits im 13. Jahrhundert gegründet scheint hier die Zeit stehen geblieben zu sein. Alles ist sehr ruhig und beschaulich, Schilder bitten um Ruhe und Fotografierverbot. Im Gegensatz zu vielen anderen halte ich mich daran und so muss der geneigte Leser sich die weißen Häuser rund um einen Rasen mit unzähligen gelben Narzissen nur vorstellen. Gegründet einst für die Beginen, unverheirateten Frauen, wird der Hof heute als Kloster genutzt.

Weiter geht es durch kleine Straßen ohne wesentlichen Autoverkehr, dafür aber Pferdekutschen. Je mehr wir uns dem Zentrum nähern, desto mehr bieten kleine Läden jeweils die beste Schokolade vor Ort, in Belgien, auf der Welt, im Universum an. Da liegen aber auch unglaubliche Leckereien in den Fenstern, riesige Rollen aus reinem Marzipan, selbstgemachte Pralinen in den unterschiedlichsten Farben und Geschmacksrichtungen, frische bunte Bonbons.

Im Sint-Janshospitaal

Wieder auf der anderen Seite des Kanals treffen wir auf das direkt am Wasser liegende Sint-Janshospitaal, das zu den ältesten Krankenhäusern Europas gehört. Hier wurden schon im Mittelalter Kranke von Nonnen und Mönchen gepflegt. Heute ist hier ein medizinhistorisches Museum untergebracht. Hierfür kaufen wir aber kein Ticket, sondern besichtigen den weitläufigen Hof, bei dem noch zu sehen ist, wo die Heilkräuter gezüchtet wurden. In einem Hintergebäude sind heute Restaurants und – das ist jetzt für uns wichtiger – Toiletten. Für 50 Cent gibt es hier eine Freifahrt…

An der großen, gegenüberliegenden Liebfrauenkirche vorbei gehen wir weiter zu der gewaltigen St. Salvator – Kathedrale. Den hohen Turm kann ich trotz Weitwinkel nicht vollständig auf ein Foto bannen.

Grote Markt und Burg

Von hier geht es weiter an einer Einkaufsstraße mit bekannten Modelabeln zum Marktplatz, dem Grote Markt. Hier spitzt sich das zu, was wir schon die ganze Zeit in den Straßen sehen: Wunderschöne alte, einst sehr reiche Kaufhäuser, wie wir sie auch in manchen Hansestädten sehen, aber nicht in dieser großen Zahl und Dichte.

Rathaus Brügge 18.03.21 - Zu spät zu den Metropolen AIDAperla

Hier auf dem Marktplatz nun besonders schöne alte Häuser. Leider können wir diese nicht auf einen Blick sehen, denn auf dem Marktplatz war eine Veranstaltung und große LKW versperren die Sicht. Unübersehbar der 83m hohe Belfried, integriert in die alten Tuchhallen. Tuch hat hier eine besondere Bedeutung, denn die Textilindustrie bescherte Brügge einst diesen unglaublichen Reichtum. Mit Versanden des Nordseezugangs verarmte dann die Stadt, bis 1907 Zeebrügge als Hafen für Brügge geschaffen wurde und Brügge wieder an Bedeutung gewann.

Um den Marktplatz herum dann viele Giebelhäuser unterschiedlicher Form, Größe und Farbe. Hier zu verweilen lohnt sich, allerdings ist hier doch etwas frischer Wind. Deshalb verzichten wir auch darauf, den Belfried zu besteigen und gehen ein paar Meter weiter zum nächsten Platz „Burg“ mit weiteren prächtigen Gebäuden, der Alten Propstei, der Basilika des Heiligen Blutes und dem besonders prächtigen Rathaus.

Zwischen Pommes und Waffeln

Durch einen Torbogen hindurch kommen wir durch eine kleine Gasse wieder zu dem uns schon bekannten Kanal zurück. An diesem führt aber ein breiter Fußweg entlang und hier bleiben wir nun endlich von der Sonne gewärmt auf einem Brückengeländer sitzen und genießen den Blick auf die Gracht, auf der offene Boote mit Touristen fahren. Direkt gegenüber bis ins Wasser hinein wieder die schönen alten Gebäude. Hier auf unserer Seite einige Restaurants und Imbisse. Und nun müssen wir natürlich auch die erste belgische Spezialität genießen: belgische Pommes. Absolut lecker, aber jetzt auch nicht so viel anders als unsere.

Weiter geht es dann entlang des Wassers, bis wir wieder zum Hospital kommen und dann den Weg zurück, den wir gekommen sind. Aber hier auch mit Unterbrechungen: Erst müssen die diversen Schokoladelädchen nach den besten Pralinen durchsucht werden, dann gibt es das zweite Nationalgericht: Unglaublich leckere belgische Waffeln wahlweise mit Eis und Sahne und Erdbeeren oder Nusssauce oder… Oder pur mit frisch geschmolzener weißer Schokolade. Letzteres ist eindeutig unser Favorit. Zum Schluss noch ein bisschen in der Sonne ausruhen im Minnewaterpark und dann gehen wir frühzeitig zum Bus. Der auch schon bereit steht. Wir erwischen wieder den Doppeldecker, den wir auf der Hinfahrt schon hatten mit der Garantie auf Glatzenkratzen, weil das obere Deck zum gerade stehen zu niedrig ist.

Brügge 18.03.21 - Zu spät zu den Metropolen AIDAperla

Empfangen mit Kakao

Nach 20 Minuten werden wir vor dem Schiff mit Getränken empfangen, aber nicht wie gedacht der übliche Eistee, sondern warmer Kakao. Sehr lecker, aber hier darf sich der geneigte Leser einmal das Gekreische vorstellen, das entsteht, wenn manche Mädchen die Haut auf dem Kakao auf den Lippen spüren…

So sind wir dann rechtzeitig an Bord, um in das kleinste der Buffet-Restaurants zu gehen, das Belladonna Restaurant. Auch sehr voll, aber da so klein, sind die Schlangen am warmen Buffet schnell durch und dann gibt es freie Auswahl. Heute besonders lecker übrigens der italienische Schinken mit Melone.

Hier lassen wir auch noch einmal Revue passieren und kommen zu dem eindeutigen Ergebnis, dass uns allen Brügge ausnehmend gut gefällt. Zu Recht gilt Brügge als eine der schönsten Städte Europas. Meine Heimat wäre hier Kandidat, Brügge zu überholen, aber nein, ist ja nur ein Dorf, deshalb bleibt Brügge doch die vielleicht schönste Stadt. Kopfsteingepflasterte Wege, würdige alte Giebelhäuser, prächtige Kirchen, schöne Kanäle, hier stolpert man von einem Highlight zum nächsten. Da Brügge in den Kriegen weitgehend verschont wurde, ist noch viel mittelalterliche Bausubstanz gut erhalten, so dass die Altstadt zu Recht UNESCO Weltkulturerbe ist.

Wir sind uns einig, dass wir wiederkommen werden, vielleicht einmal im Sommer, wenn die vielen Bäume grün sind.

Und mein Zeh hat auch keinen Ärger gemacht, ich bin immer ein bisschen vorsichtig aufgetreten, dann habe ich ihn gar nicht gemerkt. Also alles wieder gut. Damit allerdings auch keine Ausrede für morgen. Mist.

Nach dem Abendbrot spielen wir im dritten Anlauf endlich „Phase 10“ zu Ende. Was soll ich sagen, es wird nicht besser…

Den Abschluss bildet die Show „Let‘s Get Loud!“, mit lauter kräftigen Songs zum Mitsingen. Dazu ist auch die 3. Solistin nun wieder aus den Tiefen des Schiffs aufgetaucht. Tatsächlich ist die Show laut, fetzig, mit viel Einbeziehen der Gäste, die mal mittanzen und mal in eine Polonäse durch die Reihen ziehen dürfen.

Die nächste Etappe sind 183 Kilometer bis Rotterdam.

Brügge

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