Wer häufig reist und Buffet genießt, dem wird auffallen, dass bestimmte Typen immer wieder auftauchen. Das gesamte Spektrum des menschlichen Verhaltens kann nirgends so schön beobachtet werden, wie bei einer verhungernden Gruppe am Buffet des Kreuzfahrtschiffs. Wir haben diese Typen einmal zusammengetragen. Natürlich ist das nur eine Glosse, denn so etwas gibt es doch in Wirklichkeit nicht. Oder?

Die Kobras

Anschleichen, zuhacken, verschwinden ist das Prinzip dieser Spezies. Einfach mal von der Seite kommen, Schlange stehen ist was für Doofe. Leider sind die Kobras oft schon im gesetzten Alter, wodurch sich das schnell Zuhacken beträchtlich in die Länge ziehen kann.

Die Fingerpicker

Diese Spezies erkennt man daran, dass ihnen so im Vorbeigehen, meist schon eher Richtung Ausgang, noch einmal eine leckere Speise ins Auge fällt. Da ist dann natürlich kein Teller mehr zur Hand, Löffel sind nur etwas für Anfänger und so ist es ja auch in anderen Kulturen üblich, die Finger zu benutzen. Erst nach Einführung von Hochgeschwindigkeitskameras konnte dann diese Spezies tatsächlich identifiziert werden, wie sie mit schnellem Zuhacken spitzer Finger Obststückchen aus den Schüsseln pickt. Unwissenschaftlich ist dagegen die Behauptung einzelner Beobachter, dass die Schmierigkeit der Finger nach dem Zuhacken proportional zu dem bevorzugten Typus dieser Spezies sei.

Die Wüsten-Reisenden

Diese Spezies findet sich weltweit und auch auf Schiffen. Von chronischen Durst geplagt stehen sie schon unruhig in der Schlange des Getränkeautomaten. Sind sie dann endlich dran, ist das erträgliche Maß an Durst meist überschritten, weshalb die ausgetrockneten Hirnzellen die Schlange, in der sie eben standen, komplett ausblenden und sie in aller Ruhe ihr Glas füllen und austrinken und neu füllen – eine Schleife, die sich mehrfach wiederholen kann.

Die Nörgler

Riesige Berge anschleppen, bis sich der Teller durchbiegt und die Anbaubretter wanken, dieses dann mistgabelartig in den Schlund einschaufeln und dann über den rapiden Verfall der Qualität des Essens, das früher und auf anderen Schiffen viel besser war, mosern, dadurch zeichnen sich die Nörgler aus. Sie finden sich grundsätzlich in jeder Gruppe Dinierender, sind allerdings in ihrer Ausbreitung nicht auf das Essen beschränkt, sondern finden sich überall, wo sich Menschen treffen. Unwissenschaftliche Untersuchungen behaupten, dies sei eine spezifisch deutsche Spezies.

Die Verirrten

Diese Spezies ist sehr gut daran zu erkennen, dass sie mit dem Teller durch die Reihen gehen, im Blick aufflackernde Panik. Die Frage, die den Verirrten auf der Stirn geschrieben steht, ist: „Wo war nochmal mein Platz?“ Nicht bekannt ist, wie viele dieser Spezies letztlich fündig werden oder für immer verloren gehen. Aus diversen Untersuchungen ist aber bekannt, dass 95% der Verirrten weiblich sind.

Die Verteiler

Sich auffüllen, das kann auch mit Schwung und Freude geschehen. Dem Verteiler haftet dabei eine gewisse Großzügigkeit an und so dreht er sich im Allgemeinen nach dem Füllen des Tellers schwungvoll nach hinten. Auf diese Weise haben dann alle was davon – zumindest auf dem Hemd.

Die Akutstopper

Nach einem leckeren Essen muss es doch noch eine kleine Leckerei geben. Diese Spezies macht sich danach auf die Suche, ist aber solange unauffällig, bis sie fündig wird. Dann erkennt man sie daran, dass sie urplötzlich stehen bleiben und dadurch alle hinter ihnen Gehenden zu akrobatischen Einlagen zwingen, um nicht auf die Akutstopper aufzulaufen.

Die Begutachter

Begutachter greifen nicht einfach wahllos zu, sie inspizieren erst einmal die Auslagen ganz genau. Nun kann man ihnen keinesfalls vorwerfen, dabei oberflächlich vorzugehen, bei Rückkehr zum Tisch können sie zumeist die Zahl der Fasern jedes gesehenen Stückes Fleisch wiedergeben. Dabei würden sie nie so profan vorgehen, sich in irgendeine Schlange zu stellen, sondern aus sicherer Distanz der zweiten Reihe lässt sich unbeobachtet beobachten. Dass dabei dann neben den Schlangen am Büffet auch der Durchgang zugestellt ist, ist ein auch in Großstädten beliebter Nebeneffekt.

Die Schilddiskutierer

Hierbei handelt es sich um eine aussterbende Spezies, wobei die häufigste Todesursache eine Gabel im Rücken sein soll. Schilddiskutierer tauchen mindestens zu zweit auf, stellen sich brav in jede Schlange am Buffet, beginnen dann aber jedes einzelne Schild über dem Buffet ausführlich miteinander zu diskutieren, bis die Hinterstehenden zu Notwehr gezwungen werden, um den sonst sicheren Hungertod zu vermeiden.

Die Fotoprofiamateure

Der Name dieser Spezies ist wörtlich zu nehmen. Zu erkennen sind sie daran, dass sie mit gehetztem Blick und erhobener Digitalkamera (wahlweise auch Smartphone und neuerdings Tablet) durch das Restaurant hetzt, um die Speisen zu fotografieren, bevor sich gierige Finger danach ausstrecken. Sie stehen dann vornübergebeugt in gebührendem Abstand – wie es die Brennweite zulässt – und nach hinten ausgestrecktem Hinterteil im Gang und verhindern jegliches Durchkommen. Besonders beliebt macht sich diese Spezies dann, wenn auch das dritte Foto nach umfangreicher Kontrolle noch nicht gelungen ist und mit unbeweglicher Konzentration wiederholt werden muss.

Die Entertainer

Die Zeit beim Essen mit verkniffenem Gesicht als eine Schlacht, die zu gewinnen ist, zu betrachten, würde dem Entertainer nicht einfallen. Der Entertainer hat Spaß beim Essen und das soll auch der Rest des Restaurants erfahren. Die Geschichten, die diese Spezies zu erzählen hat, sind so interessant, dass sie keinesfalls der Allgemeinheit vorenthalten werden dürfen und wem macht ein ansteckendes Lachen, das an allen Wänden wiederhallt, nicht Freude? Wichtig ist allerdings zu beachten, dass diese Spezies nicht mit zu viel Alkohol gefüttert werden darf, da sie dann zu Verbrüderung mit allen anderen Tischen neigt, was besonders den Nörgler wenig erfreut.

Die Monks

Noch ein Zwölftel Löffel hier, ein Gabelzinkchen dort, noch einen Hauch in die Ecke, der Teller muss symmetrisch aussehen. Auch könnte 1/100 Gramm mehr Nachtisch doch schon zu viel sein, das muss noch vorsichtig abgetrennt werden. Und auch die Schlange hinter den Monks wird erst dann harmonisch, wenn sie lang und vielfältig genug ist.

Die Handtuch-Besetzer

Wer denkt, das gibt es nur bei den Liegen am Pooldeck, der irrt. Manchmal ist es ja doch voll im Restaurant und Gäste irren auf der Suche nach Plätzen umher. Dann kommt diese Spezies zum Einsatz, die freie Plätze an ihrem kostbaren und bezahlten Tisch mit Handtüchern, Rucksäcken und was weiß ich belegen, oder auch gerne mal Getränke auf die freien Plätze stellen, ohne dass je jemand käme, für den das freigehalten ist.

Die Wühler

Diese Spezies kennt das Supermarkt-Prinzip, dass die besten Sachen immer hinten stehen. Und so wird jede Obstschale sorgfältig bis ganz unten durchwühlt, um wirklich die einzig wahre, die erkenntnisspendende, die allerbeste Frucht im Garten der Fülle zu finden.

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