Große Skandinavien-Reise ab Kiel mit der AIDAnova, Kristiansand 12.05.26
Erst haben wir Zweifel, ob es der richtige Ausflug für uns ist: Elche füttern, wie spannend. Aber Leidenschaft und Landschaft überzeugen uns. So füttern am Ende auch wir sanfte Riesen im Elch-Park Viltgården. Und genießen den Frühling in der schönen norwegischen Landschaft. Doch sind das nun Schweden- oder Norwegen-Häuser?
Bilder folgen hier in Kürze
Große Skandinavien-Reise ab Kiel
AIDAnova 2026
Das Frühstück im Casa Nova ist wieder ruhig und lecker. Und erstaunlicher Weise heute wieder recht leer. Die Dynamik der Gästebewegung hier beim Frühstück haben wir noch nicht verstanden, wir werden das weiter beobachten.
Ist der Ausflug wirklich richtig?
Kristiansand gehört zu den Häfen, die wir zum allerersten Mal sehen. Die Stadt verdankt ihre Gründung dem Wunsch des dänischen und norwegischen Königs, mehr Steuern einzunehmen.
Weil wir zum ersten Mal hier sind, wollen wir ein bisschen etwas sehen und haben deshalb einen Ausflug gebucht. Bis dahin ist noch etwas Zeit, die verbringen wir wie immer mit Lesen und Reisebericht schreiben im Wintergarten.
Dabei bin ich froh, dass wir uns hier mit dem Handy einwählen können und ich den aktuellen Reisebericht so hochladen kann, dass ich das Handy als Hotspot benutze
Ansonsten wähle ich mich immer über das AIDA-Netz ein, aber aus unerklärlichen Gründen hat das Hochladen gestern bereits die Hälfte meines Internetvolumens gefressen. Darum mache ich das nun anders.
Um 12 Uhr machen wir uns auf den Weg zu den Bussen, gut eingepackt, denn es soll hier deutlich kälter sein. Ist es auch, aber heute scheint die Sonne, und in der Sonne, müssen wir die dicken Jacken aufmachen, weil es sonst zu warm wird. Nur an Stellen, wo der Wind weht, ist es frisch bei 10°C.
So ganz viele für uns interessante Ausflüge standen hier nicht zur Wahl und ein bisschen Zweifel beschleichen uns vorher, ob wir den richtigen Ausflug gebucht haben.
Angekündigt ist, dass wir über eine Stunde durch den norwegische Landschaft fahren zum Elch-Park Viltgården, um dort Elche zu füttern.
Ist das wirklich so interessant, nach Norwegen zu fahren, um Elche zu füttern? Bei uns in der Heide gibt es dazu genug Pferde, die wir füttern können. Und bei den vielen Kindern an Bord: wird es am Ende so sein, dass wir die einzigen Älteren in einem Bus voller Kinder sind?
Durch die wunderschöne Landschaft
Die letzte Befürchtung tritt schon mal nicht ein. Natürlich sind im Bus auch Kinder mit ihren Eltern und das ist ja in Ordnung. Aber eben nicht nur, es ist ein buntes Publikum mit jüngeren Pärchen und älteren Freunden.
Als der Bus dann losfährt, bestätigt sich eine Hoffnung, die wir hatten: wir sehen etwas von der Landschaft. Und das ist wirklich schön. Wir fahren zunächst am Ufer des Flusses Otra entlang. Die Reiseleiterin ist deutschstämmig, wodurch wir sie erstaunlich gut verstehen. Und sie erzählt viel über die Landschaft, über die Leute, über das Schulsystem, über die Elche.
So erfahren wir, dass dies Tal über Jahrhunderte vom Rest Norwegens recht abgeschieden lebte. Um in die Zivilisation zu kommen, mussten die Einwohner einen Berg überwinden, mit einem Fußmarsch, der zwei Wochen dauerte. Das haben die allerwenigsten auf sich genommen, wodurch diese nie aus ihrer Siedlung herausgekommen sind.
Irgendwann wurde hier eine Schmalspurbahn gebaut, die den Weg abkürzte. Und inzwischen fahren wir natürlich auf einer normalen Straße.
Wir folgen also dem Fluss, dann geht es immer höher in den Berg hinauf, teils über kurvige Strecken. Der Busfahrer fährt so vorsichtig, dass er sich Mühe gibt, damit niemandem schlecht wird durch die Schaukelei. Trotzdem droht einigen schlecht zu werden, das liegt aber vielleicht auch eher daran, dass die Reiseleiterin überhaupt darüber gesprochen hat.
Der Fluss und später kleine Zuflüsse sind richtige Gebirgsbäche. Das Wasser fließt flach, über Felsen. Überhaupt besteht hier alles aus Felsen. Die letzte Eiszeit ist noch nicht so lange her, dass sich eine dicke Humusschicht gebildet hätte, und deshalb besteht Norwegen überwiegend aus Felsen mit dünner fruchtbarer Schicht, weshalb nicht überall alles wächst.
Hier gab es ursprünglich dichter Eichenwälder, die aber systematisch abgeholzt wurden und dann die Eichen-Stämme über den Fluss ans Meer transportiert wurden. Jetzt wachsen hier, wie überall in Skandinavien, Nadelbäume.
Wir fahren durch diese Nadelbaum-Wälder. Hin und wieder durch kleine Siedlungen, manchmal nur einzelne Häuser. Die Gegend ist nicht sehr stark besiedelt.
Aber das ist wirklich schön, idyllisch. Hier kann man sicherlich gut leben und wir freuen uns über den Eindruck, den wir bekommen. Ein bisschen dämpft das die Reiseleiterin aber, indem Sie uns daran erinnert, dass hier sehr lange Schnee liegt und die Hauptbeschäftigung im Winter die ist, mit der Schneefräse den Schnee zu räumen.
Eine faszinierende Lehrstunde
Nach einer Stunde und 15 Minuten kommen wir am Elch-Park an. Der Plan ist, dass wir erst eine Einführung bekommen und dann zu den Elchen selbst können.
Für die Einführung setzen wir uns in Stuhlreihen in einem Vortragsraum. Der Gründer des Elch-Parks ist Kristoffer, der vor einigen Jahren ein Elch-Kalb mit der Hand aufgezogen hat und dadurch ein so gutes Verhältnis zu dem Tier bekommen hat, dass er sich heute immer noch nähern darf und auch eine Beziehung zu dem inzwischen eingetroffenen Nachwuchs aufbauen konnte.
Die Elche haben alle Namen aus Disney-Filmen. Da er Kristoffer heißt, lag es nahe, die Elche Anna, Elsa, Olaf, Sven zu nennen. Und Ben und Bennie.
Kristoffer ist es jetzt auch, der die Einführung macht. Und Kristoffer ist eine Naturgewalt. Der mit solch einer Begeisterung von seinen Elchen spricht, mit solchem Enthusiasmus alles weitergibt, was er mit den Tieren zusammen gelernt hat, dass das ansteckend ist. Das ist keine trockene Lehrstunde, das ist lebendige Faszination.
Füttern der sanften Riesen
Im Anschluss geht es dann zum Füttern der Elche. Dafür sind Fenster im Zaun ausgelassen, an denen die Elche schon warten, sie kennen das. Nach Händedesinfektion können wir uns vorbereitete Möhrenstückchen nehmen.
Zunächst denke ich: was für ein Gedränge zwei Busladung voller Menschen wollen hier sechs Elche füttern. Zunächst ist das auch eine Traube an Menschen, aber zum einen haben sich die Elche auf drei Fensterplätze verteilt. Zum anderen sind diese sehr geduldig, und so haben wir eine Stunde lang Zeit, bei der jeder in Ruhe an die Reihe kommt und die Elche füttern kann.
Kristoffer macht es einmal vor. Hier ist es nicht so wie beim Füttern von Pferden, wo man das Obst mit der flachen Hand hinhält, sondern hier kann man den Möhren-Stick mit spitzen Fingern anreichen.
Eigentlich bin ich nicht so der Fütter-Typ, ich futter lieber selber.
Aber das ist dann doch eindrücklich. Wir stehen ganz nah an so einem Elch. Und der geneigte Leser darf sich so einen Elch nicht vorstellen wie ein größeres Reh. Elche sind die größten Hirsche der Welt, die Schulterhöhe reicht bis zu zwei Meter, sie erreichen ein Gewicht von 700 Kilo, in Gefangenschaft auch gern mal 100 Kilo mehr.
Da steht jetzt also so ein riesen Kerl (ja, wir füttern als erstes Ben oder Bennie, die Zwillinge können wir nicht unterscheiden) neben einem und wir halten winzige Möhren-Stückchen mit spitzen Fingern hoch. Und der Elch greift sich dieses Möhren-Stückchen ganz vorsichtig ebenfalls mit spitzen Lippen. Bedenkenlos kann man hier also die Möhren hinhalten und auch Kinder den Elch füttern lassen. Aufgrund der großen Lippen sieht das dann so aus, als wenn die halbe Hand im Maul verschwindet, aber das ist alles ganz ungefährlich. Die Elch-Lippen sind ganz vorsichtig und pelzig. Auch haben die Elche nichts dagegen, dass wir sie kurz streicheln.
Das geht natürlich nicht mit freilebenden Elchen, aufgrund der größeren Kraft dieser Tiere ist es durchaus schlau, hier Abstand zu halten. Aber diese Elche sind an Menschen gewöhnt.
Dabei handelt es sich jetzt hier nicht um einen Zoo oder ein winziges Gehege, sondern Kristoffer hat ein riesiges Gelände gepachtet, in dem sich die Elche frei bewegen können. Er versucht in allem, den Elchen die Entscheidung zu lassen, so dass sie alles können, aber nichts müssen.
Waffeln und Kaffee für alle
Die Zeit reicht dicke, dass jeder einmal einen Elch streicheln und füttern und natürlich Fotos machen kann. Und auch für zwei oder drei Mal reicht die Zeit.
Wer genug gefüttert hat, bekommt noch eine frisch gebackene Waffel wahlweise mit Zucker oder norwegischer Marmelade, und einen Kaffee oder Saft. Das ist alles hier sehr nett angelegt und freundlich gemacht.
Nachdem zwei verschwundene Gäste gefunden wurden, die in den falschen Bus gestiegen sind (es gibt hier mit 2 Bussen tatsächlich eine 50% Chance) fahren wir dann eine etwas andere Strecke auf der anderen Seite des Flusses entlang zurück. Dadurch sehen wir noch ein bisschen mehr von der Landschaft. Auf der Straße sind mehrere Sperren, hier ist man dabei, noch mehr Felsen weg zu sprengen, als ursprünglich für den Bau der Straße nötig war. Das Ziel ist, neben der Straße einen breiteren freien Streifen zu haben.
Überall auf dem Land, aber auch im Kristiansand selber sehen wir die zweistöckigen Schweden-Häuser. Wobei „Schweden-Häuser“ nicht korrekt ist. Wir sind ja in Norwegen, also müssen es Norwegen-Häuser sein. Die sehen auch ein bisschen anders aus, als die Schweden-Häuser, die auch in Deutschland gebaut werden. Zum einen ist die vorherrschende Farbe weiß. Das muss eine wilde Arbeit sein, diese Häuser sauber zu halten, denn so empfindlich wie weiß ist, muss das Haus sicherlich alle paar Jahre neu gestrichen werden.
Zudem fällt uns auf, das die Bretter der Hausfassade bei den meisten Häusern quer angebracht sind und nicht senkrecht.
Kein Lieblings-Essen am Buffet
Um 17 Uhr sind wir wieder an Bord. Nicht mehr viel Zeit bis zum Abendbrot.
Heute haben wir ausnahmsweise nichts reserviert, das heißt, wir gehen in ein Buffet-Restaurant. Heute ist es für uns das Markt Restaurant.
Wie gut, dass wir das nicht so oft machen müssen. Eigentlich gehen wir ganz gerne in Buffet-Restaurants, aber heute ist es hier so, dass für uns nicht so recht etwas dabei ist, nach dem wir uns reißen würden. Natürlich ist das alles gut. Natürlich kann man das alles essen, aber eine Lieblingsspeise ist für uns nicht dabei. Und da das Konzept auf diesem Schiff so ist, dass es täglich dasselbe in dem jeweiligen Restaurant gibt, wird das wohl das einzige Mal sein, dass wir im Markt-Restaurant sind.
Die Show ist heute der Steampunk Circus. Den habt ihr schon ein paar Mal gesehen, aber ich glaube noch nie in voller Länge. Das machen wir heute: Ein wildes Sammelsurium an Kostümen, Tänzen und Gesängen. Durchaus sehenswert. Dabei erfahren wir auch, dass die Schow im Herbst durch eine neue Show abgelöst wird. AIDA hatte ja die Tradition, immer mal neue gute Shows zu produzieren, offensichtlich soll diese Tradition wieder aufgenommen werden.
Zum Abschluss gehen wir noch einmal in die Lounge. Da das Abendbrot nicht so erfolgreich war, finden wir hier ein paar nette Nachtisch-Leckereien. Und frische Erdbeeren. Da hier auch eine Nuss-Nougat-Creme herumsteht, versuchen wir das mal zu kombinieren. Der Abend ist gerettet…
Die nächste Etappe sind 217 Kilometer bis nach Skagen.
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