Große Skandinavien-Reise ab Kiel mit der AIDAnova, Kiel 09.05.26
Die Anreise mit dem Auto ist so viel angenehmer als mit dem Flugzeug. Staus führen zum Kennenlernen von Hamburger Umland und Mathematik.
An dem riesigen, vollen Schiff angekommen dürfen wir den Stau überholen und fallen dann vom Back-Paradies ins Gourmet-Schlaraffenland.
Und lernen, dass wir niemals eine Bombe entschärfen werden.
Bilder folgen hier in Kürze
Große Skandinavien-Reise ab Kiel
AIDAnova 2026
Um 10 Uhr kommen wir los.
Um 10:10 Uhr dann das zweite Mal, nachdem wir noch schnell die vergessene Tasche abgeholt haben.
Schönere Anreise ohne Flug
Es hat etwas, entfernte Ziele kennenzulernen. Das geht aber nur mit Flug.
Vor unserer Kreuzfahrt-Geschichte bin ich nie geflogen. Böse Zungen behaupten, dass das an einer Flugangst gelegen hätte. Das stimmt natürlich gar nicht, es ist eine natürliche Höhenskepsis.
So haben wir unsere ersten Fahrten ab Hamburg gemacht. Was keine schlechte Idee war, denn die Ausfahrt die Elbe hinunter gehört zu den schönsten Hafen-Ausfahrten überhaupt.
Aber nach ein paar Fahrten hat die Familie einstimmig beschlossen, dass es auch mal weiter entfernte Destinationen sein dürfen, angefangen mit dem Mittelmeer. Wobei „einstimmig“ bedeutet: mit einer Stimme. Also die der besten Ehefrau von allen.
So mussten wir also fliegen.
Und so schön das ist, viele entfernte Ziele zu sehen, so schön ist es auch, ab Deutschland zu fahren.
Kein stundenlanger Flug, keine 3 Stunden vorher am Flughafen sein, kein extra frühes Losfahren, um den Flug auch bei Stau nicht zu verpassen. Auf diese Weise waren wir zuletzt nach Südafrika 30 Stunden unterwegs.
Mit dem eigenen Auto nur 2-3 Stunden anzureisen, dieses vor Ort abzustellen und dann bei Rückkehr nur schnell ins Auto springen zu können, ist auch ausgesprochen angenehm.
Die deutschen Kreuzfahrthäfen kennen wir alle, außer Bremerhaven. Von Warnemünde sind wir bei unserer Kurzreise kürzlich abgefahren. Diesmal geht es wieder ab Kiel.
Nicht der Elbtunnel ist die Engstelle
Die größte Unsicherheit auf dem Weg nach Norden ist der Elbtunnel. Hier entscheidet sich, wie lange die Fahrt dauert, denn er ist ein echter Engpass. Weil davor und danach alles Baustelle ist.
Und tatsächlich ist der Elbtunnel gesperrt und kein einziges Auto auf der Autobahn. In der Gegenrichtig. Richtung Norden ist alles frei und erstaunlich leer.
Vermutlich haben viele von der Sperrung des Tunnels gehört, wussten aber nicht, in welche Richtung und haben den Elbtunnel lieber umfahren.
Das ist also heute keine Engstelle für uns.
Die Engstelle ist deutlich früher, auch eine Baustelle. So eng, dass wir von der Autobahn abgeleitet werden und über Land geleitet werden.
So lernen wir erstmals das ländliche nordniedersächsische Hamburger Umland kennen. Und fahren durch kleine Orte wir Horst und Maschen.
Diese kennen wir eher aus der Mathematik, zumindest erinnern wir uns dunkel, dass das irgendwas mit Dreiecken und Kreuzen zu tun hat.
Nachdem wir so nun erfolgreich das Horster Dreieck und das Maschener Kreuz umfahren haben, kommen wir also gut voran. So gut, dass wir viel zu früh in Kiel ankommen würden.
Zu früh deshalb, weil jeder im Vorfeld eine Check-In-Zeit buchen musste. Unsere beginnt erst um 14 Uhr.
Darum laden wir den Wagen noch einmal kurz vor Kiel, obwohl wir das noch gar nicht müssten.
Riesiger Kasten in der Kieler Förde
Wir sind schon ein paar Mal von Kiel gefahren. Und fast jedes Mal sind wir von der Parkgarage gegenüber auf das Schiff zugegangen und haben gedacht: „was für ein riesiger Kasten dort am Terminal“.
Und das waren die kleineren Schiffe. Heute ist es mit der AIDAnova eins der beiden größten AIDA-Schiffe. Und nochmal so viel größer als der Kasten die letzten Male.
Unsere gewohnte Parkgarage wird gerade renoviert und ist deshalb geschlossen. Daher müssen wir ein Stück weiter in einem anderen Parkhaus parken.
Um nun die Koffer nicht durch halb Kiel (oder genauer den einen Kilometer durch Kiel) rollen zu müssen, wollen wir die Koffer erst abgeben.
Schon auf dem Weg zum Schiff sehen wir überall Menschen Richtung Schiff strömen. Passend zur Größe des Schiffs unglaublich viele Menschen.
Erst Koffer abgeben, dann Parkhaus
Direkt vor dem Terminal ist ein Parkplatz. Hier kann man bis zu 10 Minuten kostenlos parken. Die Mitarbeiter an der Schranke händigen dazu ein Parkschild aus und regen an, an der Ausfahrtschranke ein kleines Trinkgeld in die Kaffeekasse zu stecken.
Halten können wir direkt gegenüber der Gepäckabgabe. Das Abgeben der Koffer dauert dann nur wenige Sekunden. Vorausgesetzt, die Kofferanhänger sind am Koffer befestigt, damit die Mitarbeiter wissen, zu welcher Kabine sie die Koffer bringen sollen. Bei uns stimmt alles und schwupps sind wir schon wieder weg.
Im Parkhaus ist ein Parkplatz für uns frei, den Weg zum Schiff zurück bewältigen wir ohne Vorkommnisse und so sind wir pünktlich kurz vor 14 Uhr am Terminal.
Den Stau überholen
Da so viele Menschen auf das Schiff passen, bei dieser Fahrt sind rund 6.000 Gäste an Bord, ist es hier voll. So voll, dass Mitarbeiter immer wieder die Menge anhalten müssen, damit die Rolltreppe zum Check-In nicht überfüllt ist.
Oben geht es erst durch die Sicherheitskontrolle. Da genug Geräte aufgebaut sind, geht das recht zügig.
Dahinter am Check-In dagegen gibt es eine sehr lange Schlange. Was sind wir froh, dass wir aufgrund unserer Club-Stufe die Überholspur nutzen dürfen und an allen vorbeiziehen können. Ja, das macht uns bei den anderen nicht beliebt, aber was sollen wir machen: „die Regels sind die Regels“, frei nach dem Dschungelcamp.
Unsere Kabine ist schon fertig und so gegen wir direkt dorthin.
Mit kleinen Umwegen, denn die Kabinen sind hier anders angeordnet als auf den kleineren Schiffen und so müssen wir uns neu orientieren.
Aber wir kommen an und nicht nur wir, auch unsere Koffer.
Als erstes machen wir die Sicherheitseinweisung. Normalerweise machen wir das auf dem Handy, dort hakt es heute aber, und so lassen wir das auf dem Fernseher ablaufen.
Danach gehen wir direkt mit angelegter Sicherheitsweste zu unserer Rettungsstation und lesen dort die Bordkarte ein. Damit ist die Rettungsübung beendet.
Back-Paradies in der Lounge
Und nun haben wir richtig Kaffee-Durst.
Deshalb suchen wir den schnellsten Weg zur AIDA Lounge. Diese dürfen wir wieder nutzen, wie das kommt und warum das so gut ist, erkläre ich übermorgen am ersten Seetag.
Wir suchen zwar den schnellsten Weg, finden ihn aber nicht. Deshalb müssen wir einmal durch das Fuego Restaurant gehen. Das werden wir nicht noch einmal machen, denn das ist so voll, dass wir kaum durchkommen.
Ganz anders die Lounge. Ruhe.
Dabei haben wir noch einen anderen Grund. Neben dem Kaffee ist das, dass wir hier ins Back-Paradies gekommen sind: Frische warme Zimt-Schnecken, Marzipan-Croissants und Apfel-Ecken. Mich wird hier den Rest der Reise keiner mehr rauskriegen.
Ach nein, das war nicht der andere Grund:
Der andere Grund ist, dass es hier an Bord viele schöne kleine Restaurants gibt, die wir gerne durchprobieren möchten. Von zu Hause aus konnten wir aber kaum etwas buchen, fast alles war ausgebucht.
Wir wissen aber von den letzten Fahrten, dass Kontingente zurückgehalten werden, damit noch an Bord gebucht werden kann. Auf diese Kontingente hatte in der Vergangenheit auch der Concierge in der Lounge Zugriff.
Hat sie aber diesmal nicht direkt, wie die uns nun erklärt. Sie kann das nur aufnehmen und wir erfahren dann das Ergebnis über das Bordportal.
Erfahren wir auch, bereits ein paar Minuten später wissen wir, dass wir die nächsten beiden Abende Dates in Spezialitäten-Restaurants haben.
Und heute Abend, da kann sie direkt das Rossini für uns reservieren.
Zu unserer Kabine gehört ein 3-Gänge-Welcome-Dinner, wahlweise im Rossini, im Steakhouse oder im veganen Restaurant.
Ein Check des heutigen Menüs im Bordportal ergibt: es muss das Rossini sein.
Nicht jedes Menü sagt uns zu und deshalb geht Rossini nicht immer, aber heute haben wir gar keine andere Wahl.
Zunächst sind wir aber noch in der Lounge und genießen einen Latte Macchiato. Und noch einen. Dabei lassen wir uns Zeit, Anreise bedeutet immer genug Hektik.
Winken unterm Ehrenmal
Zurück in der Kabine richten wir uns erst einmal wohnlich ein. Der Koffer-Inhalt passt in die Schränke, die Koffer selber unter das Bett.
Nach der ursprünglichen Planung sollten wir etwas früher auslaufen, im Bordportal steht aber 17:30 Uhr. Und genau so machen wir das.
Natürlich schauen wir das Auslaufen auch wieder an. Wir schauen auf die Ostseite der Kieler Förde. Zunächst auf eine Werft, dann auf das Kreuzfahrtterminal am Ostuferhafen, Von dort sind wir auch schon einmal abgefahren. Dann auf kleine Strände, auf mehrere Marinas, und auf einen Campingplatz. Vorbei am U-Boot-Ehrenmal in Heikendorf und am Marine-Ehrenmal in Laboe.
Eine unserer Mitarbeiterinnen macht gerade Urlaub in Laboe. Und hat versprochen, am Ufer zu stehen und uns zu winken. Und das macht sie auch. Direkt am Strand. Auf einer kleinen Mole steht sie mit Mann und Freundin und winkt und wir winken zurück. Ein netter Abschied.
Food-Blogger im Rossini
So schaffen wir es dann gerade noch rechtzeitig zu unserer Reservierung um 18:30 Uhr ins Gourmet Restaurant Rossini. Die Kellner sind sehr aufmerksam und das Essen ist absolut köstlich. Neben dem selbstgebackenen Brot, dem Gruß aus der Küche und einem Erdbeersorbet als Zwischengang gibt es Carpaccio & Tatar mit Dijon-Senf-Eis, Perlhuhnbrust mit Nussbutter und Himbeere in Texturen mit Vanille-Eis.
Das ist so lecker und die verschiedenen Geschmäcker wieder so fein aufeinander abgestimmt, dass ich innerlich doch beschließe, zum Food-Blogger zu werden. Zumindest heute Abend.
Das Essen in einem Gourmet-Restaurant dauert immer, denn es ist nicht nur vornehm, sondern auch genussvoll. So verlassen wir das Rossini nach zwei Stunden. Im Theatrium hören wir noch einen Moment der Prime Time zu, beschließen dann aber, dass wir doch von der Anreise erschöpft sind. Deshalb erleben wir die Show heute nicht mehr, sondern fallen ins Bett.
Wir werden niemals Bomben entschärfen
Einer von uns schläft auch sofort ein, trotz der sehr lauten Musik, die aus dem Brauhaus direkt unter uns zu uns dringt.
Der andere schreibt noch ein bisschen Reisebericht. Und ärgert sich. Denn als der Reisebericht zu drei Viertel fertig ist, schaltet sich der Energiesparmodus ein und es kommt eine Fehlermeldung. Diese ist mit „entweder oder“ zu beantworten. Das hat die gleiche Qualität wie bei Entschärfung einer Bombe: welcher Draht ist der richtige?
In jedem Fall beschließe ich, niemals eine Bombe zu entschärfen, denn ich entscheide mich falsch und der gesamte geschriebene Text ist unwiderruflich verloren.
Wie ärgerlich. Beim Schreiben eines Reiseberichts (und ich stelle mir vor, das es bei einem Roman nicht viel anders ist) gibt es Tage, da fließt der Text einfach nur so aus einem heraus. Die Geschichte ist rund und eins führt zum anderen.
Und es gibt Tage, da kommen einem die Worte nicht, die Sätze wirken gestelzt, der Text erscheint einem selber nicht flüssig.
Heute war so ein flüssiger Tag. Beim ersten Mal. Beim Rekonstruieren des Textes ist es dann nicht mehr so. Da ist nur noch die Überlegung: ach ja, da hatte ich doch das gesagt und dort war mir noch jenes eingefallen und das muss jetzt wieder zu einem runden Text zusammengebaut werden.
Es wird Zeit zu schlafen. Zumal um 23 Uhr Zapfenstreich im Brauhaus ist. Zumindest was die Musik angeht.
Die erste Etappe sind 274 Kilometer bis Århus.
ÜBERSCHRIFT BILDER FOLGT
GALERIE FOLGT
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